Reparieren leicht gemacht

Geplante Obsoleszenz bedeutet, dass Geräte vom Hersteller so konstruiert sind, dass sie nach einer bestimmten (meist kurzen) Gebrauchsdauer kaputt gehen. Die Reparatur kostet oft mehr als der Neukauf. Doch um Ressourcen zu sparen und die Unternehmen nicht darin zu bestärken, weiterhin mit dieser Strategie zu verfahren, ist Reparieren angesagt. Vier Mal im Jahr findet in Kiel das Reparatur-Café statt. Die Idee zur Selbsthilfewerkstatt kam Jasmin Tarhouni, Mitarbeiterin im Wirtschaftsbüro Gaarden, bei einem privaten Umzug. „Das Wissen, wie man Dinge selbst reparieren kann, ist bei vielen abhandengekommen. Ich wollte aber wissen, wie ich etwas reparieren kann“, erzählt die engagierte Initiatorin. Deutschlandweit gibt es eine Reihe von Repair Cafés, die genau das vermitteln. „Repair Café ist ein geschützter Begriff, unsere Veranstaltung heißt Reparatur-Cafe“, stellt Jasmin klar. Einmal im Quartal können KielerInnen in das Mehrgenerationenhaus in Gaarden kommen und ihre kaputten Geräte ehrenamtlichen TüftlerInnen vorzeigen. Im Idealfall können die HelferInnen den BesucherInnen zeigen, wie ihr Gerät wieder fit gemacht wird. „Für uns steht die Wissensweitergabe im Fokus“, erklärt Jasmin. Aber auch schon allein dadurch, dass die Leute ihre Geräte nicht sofort wegschmeißen, sondern zum Reparatur-Café kommen, wird
ein Umdenken angestoßen. Bei einem Besuch treffen zudem die unterschiedlichsten Menschen zusammen, „die wären sich sonst nie begegnet. Zudem haben viele Menschen noch Vorurteile gegenüber Gaarden. Wenn sie herkommen, können diese schnell widerlegt werden. Das ist doch eine Bereicherung“, sagt Jasmin. Seit dem Start im Oktober 2014 wurden schon 300 Geräte wieder in Gang gebracht. Darunter waren viele HiFi-Geräte, wie Radios und Kasettendecks,
aber auch Küchengeräte. „Alles, was unter´n Arm passt, kann mitgebracht werden“, so Jasmin. Am schönsten ist es, wenn die Menschen eine richtige Beziehung zu den Dingen haben. „Einmal kam jemand mit einem 60 Jahre alten Plüschhund mit Fernbedienung. Da merkt man richtig, wie den Menschen Sachen am Herz liegen“, erzählt sie. Doch eine Konkurrenz zu gewerblichen Läden will das Reparatur-Café nicht sein, daher werden keine Fahrräder oder Smartphones zur Reparatur entgegen genommen. Fachkundige HelferInnen zu finden, ist für die OrganisatorInnen kein Problem, es gibt immer genug Anmeldungen. Und auch für den Fall, dass ein Gerät nicht mehr zu retten ist, gibt es vor Ort eine entsprechende Entsorgungstonne für Elektroschrott, gestellt vom ABK (Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel). In jedem Fall verlassen das Reparatur-Café zufriedene Leute. „Für manche gibt der Besuch die Gewissheit, dass etwas wirklich weggeschmissen werden kann. Das erleichtert“, gibt Jasmin zu verstehen. Auch wir haben das Reparatur-Café besucht und zeigen Euch, wie einfach es ist, dort etwas reparieren zu lassen.

 

Text und Fotos: Sabrina Aust
Darstellerin: Gesa Derda

Reparatur-Café Gaarden
Mehrgenerationenhaus / Vinetazentrum
Elisabethstraße 64
24143 Kiel
www.kiel.de/wirtschaft/wirtschaftsbuero_gaarden/ Projekte/reparatur_cafe.php

Wenn Ihr künftig online eingeladen werden möchtet, sendet eine kurze Mail mit dem Text „Verteiler Reparatur-Café“ an: info@wirtschaft-gaarden.de

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