Aufgesattelt


Mit dem Drahtesel von einer europäischen Großstadt in die andere

Warum immer teuer verreisen? Der Fahrradweg Kiel-Kopenhagen führte mich vergangenen Sommer zu einem wahren Natur- und Kulturgenuss. Die leichte Beförderung sowie die Freiheit und Unabhängigkeit, die es seinen Fahrern bietet, machen aus dem Fahrrad das beste Fortbewegungsmittel, um auch unzugängliche Orte zu erkunden. Meine sechs Tagesreisen mit dem Endziel Kopenhagen gingen durch die landschaftliche Vielfalt der Ostsee und der Dänischen Halbinseln.
Von Kiel aus führte die erste Etappe unter anderem an der langen Ostseeküste entlang, von Laboe bis zur Insel Fehmarn. Auf dem Weg dorthin wechseln sich Küstenstreifen und Naturstrände mit Binnenseen und Steilküsten ab. Bei kurzen Pausen bietet das Meer eine Erfrischung. Im Inselinneren geht es vor allem durch weite Felder und grüne Wiesen. Auf Fehmarn setzt man mit einer kurzen Fährfahrt von Puttgarden nach Rødbyhavn (Dänemark) über.

Die zweite Etappe führt anschließend durch Dänemarks schönste Halbinseln und viele, oft sehr alte, Wälder sowie kilometerlange Sandstrände. Natur pur! Auf dem Weg begegnet einem auch das ein oder andere alte Strohhaus in einem der süddänischen Dörfer. Falls man sich später dem Radfernweg Berlin – Kopenhagen anschließt, geht es dann weiter auf überwiegend separaten Radwegen, abseits der Straßen oder Nebenstraßen, mit sehr wenig Verkehr. Da die Radstrecke sowohl in Deutschland als auch in Dänemark bestens ausgeschildert ist, habe ich mich ganz selten verfahren. Eine Fahrradkarte oder ein Navigationssystem können im Notfall trotzdem sehr nützlich sein. In fahrradfreundlichen Ländern genügt schon Google maps, um schnell wieder auf den richtigen Weg zu finden. Aber auch ohne Elektronik ist man niemals aufgeschmissen: Auf dem Weg waren alle Menschen super freundlich und sind mir immer mit einem Lächeln begegnet. Viele waren neugierig und sehr erstaunt, dass man mit dem Rad soweit Fahrrad fahren kann, obwohl unter ‘Hardcore’-Radfahrern diese 400 Kilometer eigentlich eine relativ kleine Entfernung sind. Insgesamt ist die Strecke sowohl für Anfänger als auch für Fitness-Freaks sehr gut geeignet. Der gesamte Weg ist sehr flach, hat eine Höhendifferenz von nur ca. 100m und führt meistens durch Naturgebiete. Genau das, was man von einer idealen Fahrradstrecke erwartet.
Zum Schlafen gibt es hier ausreichend Campingplätze und wilde Natur zum Zelten. Wenn man mehr Wert auf Luxus und Sicherheit legt, stehen außerdem genügend Hotels zur Verfügung. Als Alternative dazu kann ich die Website warmshowers.org empfehlen. Warmshowers bietet Couchsurfing unter Radfahrern auf der ganzen Welt. Ideal, um das Budget zu schonen und um andere begeisterte Radfahrer kennenzulernen. Und nach so einem langen Tag auf dem Sattel, wirken die warme Dusche und das angenehme Bett wahre Wunder.

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, kann ich sagen, dass Fahrradtouren egal wo, mir die Möglichkeit geboten haben, verschiedene, atemberaubende Landschaften aus eigener Kraft zu besuchen und zu bewundern. Es hat unzählige Vorteile, etwa bezüglich Organisation und Kosten oder aus Sicht des Umweltschutzes. Aber in erster Linie macht auch ganz einfach Spaß, sich so frei in der Natur zu bewegen. Auch und gerade im Urlaub.
Jeder kann Rad fahren. Für jeden gibt es das passende Fahrrad. Man kann langsam oder schnell Rad fahren. Man kann kurze oder lange Strecken mit dem Rad fahren. Egal welches Alter oder wie hoch das Budget: ich kenne niemanden, der bisher eine Fahrradtour bereut hat. Also: setz‘ dich aufs Fahrrad und los geht’s in die Natur!

“When the spirits are low, when the day appears dark, when work becomes monotonous, when hope hardly seems worth having, just mount a bicycle and go out for a spin down the road, without thought on anything but the ride you are taking.” Sherlock Holmes-Autor Arthur Conan Doyle, Scientific American, 1896

Ein Gastbeitrag von Aljosa Isakovic

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