Auf ein Honigbrot mit Dr. Rehdanz

Foto: Das Gespräch zwischen Janina Taigel (links) und Frau Dr. Katrin Rehdanz geht auch beim Honigbrot weiter.

Name: Katrin Rehdanz
Studium: Lehramt (abgebrochen), Volkswirtschaftlehre in Hamburg
Beruf: Promovierte Umweltökonomin

Katrin Rehdanz lehrt und forscht seit Dezember 2007 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Zwischen Kinderkunst und Bildern von Segelbooten werden Janina Taigel und Dana Borkowski im Institut für Volkswirtschaftslehre herzlich empfangen. Der zeitliche Rahmen für Interview und Honigbrot ist klar begrenzt, denn das Kind muss pünktlich von der Kita abgeholt werden.

1. Passend zu unserem Thema: Frau Rehdanz, was bedeutet Energie für Sie?

Energie ist für mich sehr vielfältig. Bei dieser Jahreszeit denke ich zuallererst an meine warme Wohnung und daran, dass ich morgens um 6, wenn ich aufstehe, das Licht anmache und die Heizung aufdrehe. Aber dann denke ich auch an so etwas wie Lebensenergie. Das ist für mich beispielsweise die Arbeit, die Spaß macht und die Familie, die Energie bringt.

2. Sie sind Umweltökonomin und auch am Institut für Weltwirtschaft (IfW) tätigt. Was ist Ihr dortiger Arbeitsbereich?

Das Institut für Weltwirtschaft beschäftigt sich mit weltwirtschaftlichen Fragestellungen zu unterschiedlichsten
Themenfeldern wie beispielsweise, Folgen der Finanzkrise, Auswirkungen von Migration oder Aspekte internationalen Handels. Ich arbeite in einer Gruppe, die schwerpunktmäßig im Bereich Umwelt und natürliche Ressourcen forscht.
Unsere vier wichtigsten Arbeitsschwerpunkte sind die Klima- und Energiepolitik, Bioenergie und Landnutzung sowie der Ozean. Der vierte Bereich ist ein Querschnitt der anderen und beinhaltet die Bewertung von Umwelt-Dienstleistungen. Ich bin in drei der vier Bereiche tätig.

3. Wie eben erwähnt lehren Sie auch an der Christian-Albrechts-Universität. Woran arbeiten Sie im Moment?

Ich beschäftige mich mit der Fragestellung, wie man der Natur einen monetären Wert beimessen kann. Ein Forschungsprojekt von uns betrifft beispielsweise die Ostsee. Sie ist stark eutroph, enthält also zu viele Nährstoffe (Nitrate und Phosphate). Diese Nährstoffe gelangen insbesondere aus Abwässern und der landwirtschaftlichen Düngung
in die Gewässer. Nun stellt sich die Frage, was für Maßnahmen man ergreifen sollte. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel können strengere Auflagen für die Landwirtschaft gemacht werden oder die Wirkungsweise von Kläranlagen verbessert werden. Aber die Frage am Ende ist immer, wie hoch sind die Kosten und wer zahlt? Und vor allem: Was ist den Menschen eigentlich eine weniger eutrophe Ostsee wert? In meiner Forschung beschäftige ich mich insbesondere mit Antworten auf die zweite Frage.

4. Warum wird überlegt, die Natur mit Geld zu bewerten? 

Noch immer fallen die Leistungen der Umwelt, wenn Entscheidungen anstehen, in vielen Fällen hinten runter, da in erster Linie aufs Geld geschaut wird. Wenn für den Wert dieser Leistungen einfach eine Null angenommen wird, dann ist es schwierig, diese Leistungen bei Entscheidungen angemessen zu berücksichtigen. Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, Entscheidungsträgern mehr Informationen an die Hand zu geben.

5. Haben Sie ein Beispiel, wie Ihre Erkenntnisse umgesetzt aussehen könnten? 

Im Rahmen eines Projekts mit einem Stadtwerk in Schleswig-Holstein prüfen wir die Bereitschaft zu flexibleren Stromtarifen. Flexibler würde bedeuten, dass beispielsweise Strom aus Windenergie in windreichen Zeiten preiswerter ist als in windarmen Zeiten. Das würde allerdings auch bedeuten, dass sich beispielsweise die Zeit für den Start der
Waschmaschine oder das Anspringen der Tiefkühltruhe verschieben würde.

„Die Frage ist aber, ob die Stadtwerke Ihren Kühlschrank steuern dürfen oder nicht.“

6. Wie funktioniert so ein flexibler Strompreis konkret? 

Im Grunde geht es ja darum den Stromverbrauch in den Zeiten zu reduzieren, in denen der Preis hoch ist. Die Stadtwerke haben eine Reihe von Ideen, die teilweise schon in Haushalten getestet werden. Dazu zählen Möglichkeiten den Kundinnen und Kunden Informationen zu liefern, wie teuer der Strom gegenwärtig ist. Diese Informationen bräuchte man um zu entscheiden, ob man die Waschmaschine anstellt oder nicht. Die Technik ist aber auch schon weiter. Es wäre sogar möglich ihre Haushaltsgeräte extern zu steuern. Im Prinzip braucht ein Kühlschrank oder eine Tiefkühltruhe, wenn Sie die Geräte nicht allzu oft aufmachen, nicht den ganzen Tag Strom. In einer Hochpreisphase könnte die Stromzufuhr für diese Geräte also unterbrochen werden. Die Frage ist natürlich, ob Sie damit einverstanden wären.

7. Wie bewerten Sie die Energiewende in Deutschland aus umweltökonomischer Sicht?

Deutschland ist bei der Energiewende weltweit einer der Vorreiter. Ich hoffe, dass mittelfristig viele andere Länder nachziehen und sich Gedanken über eine nachhaltige Energieversorgung der Zukunft machen. Eine zentrale Frage ist aber auch, inwieweit die Verbraucher, dazu zähle ich auch die Industrie, bereit sind für erneuerbare Energien zu zahlen. Denn eines ist klar: Investitionen in erneuerbare Energien erhöhen erst einmal die Preise für die Verbraucher.

8. Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit vermehrt neue Energiekonzepte umgesetzt werden? 

Auf der Pariser Klimakonferenz im Dezember 2015 wurden weltweit wichtige Eckdaten vereinbart, beispielsweise hinsichtlich der CO2-Emissionen. Aber Länder stehen im Wettbewerb. Würde sich beispielsweise bei uns Energie deutlich verteuern, würde sich die Wettbewerbssituation deutscher Unternehmen auf dem internationalen Markt verschlechtern. Was eigentlich gut gemeint ist, kann also unbeabsichtigte Folgen haben. Umweltökonomen versuchen durch ihre Arbeit einen Beitrag zum besseren Verständnis komplexer Systeme zu liefern.

9. Was würden Sie unseren LeserInnen mitgeben?

Es wäre prima, wenn noch mehr Menschen darüber nachdenken, Energie einzusparen. Wir können zwar auch noch mehr Energie aus erneuerbaren Energieträgern produzieren, aber ganz ohne fossile Energie geht es auf absehbare Zeit noch nicht. Ich glaube, jeder Einzelne kann hier noch einen Beitrag hinsichtlich Energieeffizienz und Energieeinsparen leisten. Dass will ich aber gar nicht mit dem erhobenen Finger sagen, sondern wünsche mir einfach, dass jeder sich verantwortlich fühlt für sein eigenes Leben, und schaut, was im eigenen Umfeld getan werden kann. Man muss nicht gleich übertreiben, aber einfach mal anfangen.

10. Heißt das, dass Ihre Forschertätigkeit IhrenAlltag beeinflusst?

Natürlich. Ich ärgere mich beispielsweise bei meinem neuen Smartphone, dass es fast täglich aufgeladen werden muss und frage mich schon, ob das eine gute Investition war. Mein altes Handy musste ich nur einmal in der Woche aufladen. Hier in Kiel fahre ich zudem fast nur Fahrrad oder gehe zu Fuß.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führten:
Janina Taigel und
Dana Borkowski

Infos zu den verzehrten Produkten:
Hammerbusch Honig: zu kaufen beispielsweise im
unverpackt, Kronshagener Weg 10, 24103 Kiel
www.hammerbusch.de
Das Brot: vom Holzofenbäcker:
Backstubenverkauf
Heischstraße 19, 24143 Kiel
oder auf Wochenmärkten
www.derholzofenbaecker.com

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